Umweltpolitik erleben: UN-Planspiel zum Kunststoffabkommen auf der Zugspitze

Wie entstehen internationale Umweltabkommen? Warum sind Verhandlungen oft so komplex? Und wie lassen sich gemeinsame Lösungen für globale Herausforderungen finden?

20.07.2026 — Lesezeit: 5 min

Genau diesen Fragen widmeten sich 58 Schülerinnen und Schüler beim ersten UN-Planspiel auf Deutschlands höchstem Berg. Über zwei Tage hinweg schlüpften die Jugendlichen in die Rollen von UN-Delegierten, vertraten die Interessen verschiedener Länder und verhandelten über die Zukunft eines globalen Kunststoffabkommens. 

Im Mittelpunkt stand das Thema „UN-Kunststoffabkommen: Wie geht es weiter?“. Nach monatelanger Vorbereitung entwickelten die Teilnehmenden Länderpositionen, formulierten Argumente und erarbeiteten Verhandlungsstrategien. Dabei wurde schnell deutlich: Internationale Umweltpolitik lebt vom Austausch unterschiedlicher Perspektiven, von Kompromissen und von der Bereitschaft, gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Perspektivenwechsel auf Deutschlands höchstem Berg

Mit einer einzigartigen Kulisse auf der Zugspitze startete das zweitägige UN-Planspiel. Die Schülerinnen und Schüler des Benediktinergymnasiums Ettal, des Werdenfels-Gymnasiums und des Erzbischöflichen St.-Irmengard-Gymnasiums erhielten auch spannende Einblicke in aktuelle Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen.

Im Rahmen einer Führung auf der Zugspitze erhielten die Teilnehmenden direkte Einblicke in die Auswirkungen des Klimawandels im alpinen Raum. Vor Ort wurde sichtbar, wie stark sich der Gletscher in den vergangenen Jahren zurückgebildet hat und welche Veränderungen bereits heute in hochalpinen Ökosystemen zu beobachten sind. Die besondere Umgebung machte globale Umweltveränderungen unmittelbar erlebbar und lieferte wertvolle Impulse für die anschließenden Diskussionen.

Nach ersten Verhandlungsrunden und einer gemeinsamen Mittagspause folgte ein fachlicher Impuls unseres Projektpartners URBANFILTER. Daniel Venghaus (Hochschule Hildesheim) zeigte den Jugendlichen, wie Mikroplastik durch Reifenabrieb und Straßenabflüsse in Gewässer gelangt und wie das von URBANFILTER entwickelte Filtersystem genau dort ansetzt, Schadstoffe möglichst nah an ihrer Entstehungsquelle zurückzuhalten, bevor sie in die Umwelt gelangen.

Anschließend tauchten die Jugendlichen in ihre Rollen als Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Staaten ein. Mit viel Vorbereitung, fundierten Länderpositionen und ersten Verhandlungsstrategien legten sie den Grundstein für die Verhandlungen des folgenden Tages.

Verhandeln, diskutieren und gemeinsam Lösungen entwickeln

Am zweiten Veranstaltungstag kamen die Teilnehmenden im Jugendzentrum PULS in Garmisch-Partenkirchen zusammen, um die simulierten UN-Verhandlungen fortzuführen. Nun stand die Frage im Mittelpunkt, wie ein wirksames internationales Kunststoffabkommen gestaltet werden kann und welche Kompromisse dafür notwendig sind.

Den fachlichen Impuls gab dieses Mal Clemens Feigl, Mitgründer von everwave, einem unserer Netzwerkpartner.  Anhand von Beispielen aus der Praxis zeigte er, welche Folgen Kunststoffverschmutzung für Flüsse und Meere weltweit hat und wie innovative Technologien dazu beitragen können, Abfälle aus Gewässern zu entfernen und ihren Eintrag bereits im Vorfeld zu verhindern.

Im anschließenden Planspiel wurde intensiv diskutiert, verhandelt und argumentiert. Die Jugendlichen vertraten unterschiedliche nationale Interessen, suchten nach gemeinsamen Positionen und erlebten hautnah, wie komplex internationale Umweltpolitik sein kann. Gleichzeitig wurde deutlich, wie wichtig Dialog, Perspektivwechsel und internationale Zusammenarbeit für die Bewältigung globaler Herausforderungen sind.

Besonders beeindruckend war das große Engagement der Teilnehmenden: Mit hoher Ernsthaftigkeit, fundierten Argumenten und viel Interesse brachten sie sich in die Debatten ein und zeigten, dass junge Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und aktiv an Lösungen mitzuwirken.

Das UN-Planspiel wurde von der Felix Neureuther Stiftung, der Audi Stiftung für Umwelt sowie den Vereinten Nationen (Basel, Rotterdam and Stockholm Conventions) initiiert und gemeinsam mit DMUN e.V. umgesetzt. Zwei Tage voller Diskussionen, Perspektivwechsel und Verhandlungen machten internationale Umweltpolitik für die Jugendlichen unmittelbar erlebbar. Für alle Beteiligten bedeutete das Planspiel eine inspirierende Erfahrung und zeigte, wie viel Potenzial in jungen Stimmen, gemeinsamen Lösungen und internationalem Austausch steckt.